Iron & Wine (Muffathalle, 1.2.2018)

Abendkasse.

„2 mal bitte“

„Gibt aber nur noch Stehplatz.“

„Gab’s denn auch Sitzplätze?“

Gab es. Die Muffathalle war voll bestuhlt – habe ich so auch noch nicht erlebt.
Für uns Stehplatzproletariat war der etwa 10 Meter breite Bereich zwischen Mischpult und Bar reserviert. Während die noblen Sitzplätze dürstend mit ihren Juwelen klimperten, hatten wir jedoch die besten Plätze des Abends: Genügend Bewegungsfreiheit, ein ungehinderter Zugang zur Bar, freie Sicht über die Köpfe der Sitzenden hinweg und perfekt abgemischten Sound. Und Sitzen ist eh für’n Arsch, wie der geneigte Fußballfan weiß.

Die Vorband (Half Waif) war sympathisch, aber doch recht belanglos.

Sam Beam habe ich nun schon zum zweiten mal gesehen. Vor ein paar Jahren in den Kammerspielen war er Solo auf der Bühne, diesmal mit voller Band: Cello, Bass, Piano, Schlagzeug.
Musikalisch gab es viel altes Material, aber auch einiges von der letzten Platte. wunderbar entspannt, kraftvoll.

Ein Highlight des Abends war auch die Bühnengestaltung. kurz über den Köpfen der Band waren fluffige Schäfchenwolken aufgehängt, die zum einen die Höhe der Halle abmilderten und so einen intimeren rahmen suggerierten, und je nach Stimmung in den verschiedensten Farben leuchteten.

Gerne wieder.

 

Eläkeläiset (Backstage Halle, 13.01.2018)

Nachdem ich dieses Jahr den traditionellen Neujahrsempfang der Löwenfans Gegen Rechts leider auslassen musste, startet das Konzert mit einem anderen Klassiker.

Humppa.

Vorband machen Schmeisig aus Köln, mit launigem Karnevals-Polka-Cover-Gedöns. Kann man Bier zu trinken.

Zu Eläkeläiset muss man Bier trinken. Geht nicht anders. Alternativ finnischen Vodka. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Band mit angezogener Handbremse unterwegs ist, seitdem der Alkoholpegel auf der Bühne gegen Null geht. Routiniert runtergespielt, amüsant, aber nicht mehr so lustig wie früher(TM). Bierdusche gab’s trotzdem, und nette Menschen getroffen habe ich auch.

Humppa.

Gogol Bordello (TonHalle München, 29.11.2017)

Das dürfte jetzt das fünfte mal gewesen sein, dass ich Gogol Bordello live gesehen habe. Und auch wenn ihre Alben von mal zu mal nichtssagender werden – die letzten beiden besitze ich nicht einmal – ist das doch eine der besten Live-Bands, die ich kenne.
Das Set war eine schöne Mischung aus alten Hits und den besseren Stücken des neueren Materials.

Über die Vorband breiten wir mal gnädig den Mantel des Schweigens. Immerhin konnten sie zwei Songs – die haben sie dafür auch jeweils ziemlich häufig gespielt.

The Dead South (Technikum München, 14.11.2017)

Mitten im alten Pfanni-Gelände, das mittlerweile zum großen Teil überbaut ist und in den letzten kulturell genutzten Resten jetzt Werkraum heißt, steht eine relativ neue Mehrzweckhalle: das Technikum. Von Außen recht unscheinbar, offenbart der Bau von innen den Charme eines Bürger- oder Gemeindesaals einer Oberbayerischen Kleinstadt. Da hilft auch der rote Samtvorhang im Bühnenhintergrund nicht, Stimmung entstehen zu lassen.

Zu allem Überfluss ist die Akustik schlimm. Vielleicht lag es ja auch am Mischer, aber gegen den unausgewogenen Sound ist die Akustik im Zenith fast schon als gut zu bezeichnen.

Devarrow, ein sympathischer kanadischer Busker, durfte den Anfang machen und hatte den Vorteil, dass Gitarre und Gesang noch klar rüberkamen.

Der angefolkete Indie-Rock von Shred Kelly, der in den besten Momenten an die Talking Heads, in den schlimmeren an Bryan Adams erinnerte, war aber schon so breiig, dass kaum Vergnügen aufkam.

The Dead South sind ohne Zweifel eine großartige Band. Und an ihnen lag es nicht, dass der Funke für mich nicht zündete. Gute Songs, alle Musiker beherrschen ihre Instrumente (Gitarre, Mandoline, Banjo, Cello) und Charisma haben sie obendrein. Dieses Konzert im Strom oder der Milla, mit einer ordentlichen Sound-Anlage wäre eines der Highlights des Jahres gewesen. So ging dann doch alles im Brei des Gemeindesaals flöten. Schade.

Hochzeitskapelle (Pasinger Fabrik, 3.11.2017)

Freitag Abend, 21.00. Der ruhmreiche TSV hat gerade etwas holprig gegen Memmingen mit 2:0 gewonnen. Ich steh in Giesing vor dem Schau Ma Moi und trinke noch eine Sieges-Halbe im Stehen. Der Gesprächspartner ist gerade beim Bierholen oder -wegbringen. Facebook checken.
Und da das hier lesen:

Ich bin zwar nicht in der Nähe, muss da aber sowieso hin. Der Gesprächspartner wird vertröstet, die nächste S-Bahn Richtung Heimat geentert und in der Vorstadt rechtzeitig zum ersten Stück der Hochzeitskapelle ein freier Platz an der Bar bezogen.

Die Kapelle spielt fein auf, einige Stücke von der vorzüglichen Platte, einige kannte ich noch nicht, die aren aber auch schön. Das Publikum, gut durchmischtes Vorstadt-Kulturvolk, weiß die Hochzeitskapelle zu schätzen.

#perfectevening

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Micah P. Hinson (El Lokal, Zürich, 30.10.2017)

Diesmal Auswärtsfahrt. Micah P. Hinson und diverse Feiertage bieten den geeigneten Anlass, mal die wohl reichste und teuerste Stadt der Welt zu besuchen. Nachdem Mr. Hinson sonst offenbar Mitteleuropa meidet, und das El Lokal auf meiner Liste der zu besuchenden Venues auch ganz oben stand, gab’s keine Ausreden mehr. Und: es hat sich durchaus gelohnt.
Micah P. Hinson ist ein sehr zurückhaltender, fast schüchterner Mensch. Das gesamte Konzert bestreitet er mit geschlossenen Augen. Nur bei den weniger, dann aber durchaus unterhaltsamn Ansagen zwischen den Songs, strahlt er über’s ganze Gesicht.

Micah ist ganz alleine mit seiner Akustik-Gitarre unterwegs. Deshalb spielt er auch nicht – wie der Name des Konzertes nahelegt – das gesamte neue Album, sondern beschränkt sich auf ein Best-Of, angereichert mit einigen thematisch und musikalisch passenden Stücken von älteren Alben.

Die Schüchternheit, die melancholische Musik, die teils traurigen Texte und das fast zerbrechlich wirkende Äußere – das in kompletten Kontrast zu seiner starken, rauhen und vielseitigen Stimme steht – wecken das tiefe Bedürfnis, ihn in den Arm zu nehmen, und ihm tröstend „Alles wird gut“ ins Ohr zu flüstern – auch wenn man weiß, dass die Welt da draußen ein großer Haufen Mist ist.
Leider gab’s keine Zugabe, dafür aber eine Heimfahrt mit der Straßenbahn durchs nächtliche Zürich.

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Left Lane Cruiser & Donkeyhonk Company (Garage Deluxe, 27.10.2017)

Manche Konzerte bieten ganz wunderbare Entdeckungen. Hier war es die Donkeyhonk Company – irgendwo aus dem Oberbayrischen Outback in der Hallertau. Die drei Musikanten (Gitarre/Banjo, Bass, Schlagzeug) spielen auf, dass es auch einem HonkeyTonk irgendwo in den Wäldern zwischen Northeim Carolina und Kentucky zur Ehre gereichen würde. Ein paar Stücke in bayrischer Sprache wissen zu gefallen. Und da ist es sogar mehr als OK, dass sie es insgesamt dreimal schaffen, den großen Tom Waits zu covern, ohne dass es peinlich wird. Der Auftritt wird mit dem Kauf von zwei CDs belohnt.

Die Left Lane Cruiser habe ich schon mal 2014 erlebt und Haus sie durchaus positiv in Erinnerung. Dich was die zwei Jungs aus Indiana an dem Abend abzogen, war wirklich saugut. Treibender, krachend, schneidend, roh. Blues-Noise-Rock. Details fallen aus – künstlerische Finessen spült der Schweiß weg.

Dad Horse Experience – KAP37 (19.10.2017)

Dad Horse Ottn hat auf seinem alljährlichen Abstecher „down south“ mal wieder in München im KAP37 vorbeigeschaut, um uns Südländern den Keller-Gospel zu predigen.

Wie immer eine schöne Mischung aus alten Dad-Horse-Klassikern, den obligatorischen Hank Williams- und Jimmie Rodgers-Reverenzen, und einiges neuere Material. Dazu launige Einleitungen und Erklärungen, und immer mal wieder wurde das Geburtstagskind des Abends besungen.

Leider war’s mal wieder viel zu kurz – ich kam zu spät und der Wirt machte am Ende recht deutlich, dass da nix mehr geht. Schade, ich hätte da noch deutlich mehr hölren können. Aber der Trost bleibt: Die Dad Horse Experience wird auch nächstes Jahr wieder da sein, um uns der Erlösung ein Stückchen näher zu bringen.

Die neue Platte hat er aber dagelassen. Da schreib ich in den nächsten Tagen auch noch zwei Zeilen dazu.

Heather Nova (Muffathalle, 18.10.2017)

Heather Nova war in München. 23 Jahre, nachdem Oyster, das einzige Album von ihr, das ich wirklich kenne und damals auch viel und gerne gehört habe, erschienen ist. Und Heather Nova war da, um genau diese Album zu spielen. (Das zweite Album, Siren, kannte ich dann noch. Danach habe ich sie komplett aus dem Augen verloren)

Mit einer Gitarristin, einer Chellistin , sowei zwei Jungs an Bass und Schlagzeug spielte sie tatsächlich im ersten Teil des Konzertes das komplette Album durch. Und die Stücke sind erstaunlich gut gealtert. Die musik schwangt zwischen Pop und Indie-Rock, Heather Novas hphe Elfen-Stime schwebt darüber und erzält von Dingen, die sie als junge Frau bewegt haben. Danach noch ein paar weitere Stücke ein paar Zugaben und Schluss.

Nostalgisch war’s für mich, entspannt, aber mit kanpp 45€ für ein Ticket definitiv überteuert.

Hochzeitskapelle – Sendlinger Markt hinter St. Margareten, Sendling (1.7.2017)

Es war doch endlich mal Zeit, die derzeitige Lieblingskapelle rund um die beiden Acher-Brüder auch mal live zu sehen.

Um so schöner, dass die Kapelle am Samstag Vormittag zum Sommerfest der marktleute in Sendling aufspielte.

Wenn auch der Wind etwas anstrengend war, so haben die Herrschaften doch wunderschönen Rumpel-Jazz abgeliefert. Grillwürstel, Giesinger Bier, und nebenbei noch den Wocheneinkauf erledigen. Perfekt.