Die Nacht der lebenden Totgesagten

Irgendetwas passt hier nicht zusammen.

Seit Jahren hört man – besonders von der Film-Industrie –  dass ihnen durch im Internet verbreitete Raubmordkopien extremer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Die „Existenz von Unternehmen und Arbeitsplätzen“ steht auf dem Spiel (GVU).

Und dann lese ich in der Fachzeitschrift für Medien(-forschung) der ARD, MediaPerspektiven, in der aktuellen Ausgabe 6/2012 folgenden Artikel:

„Wirtschaftlich positive Bilanz für die deutsche Videobranche“ (hier Volltext-PDF) 

Der Titel lässt einen ob der gewohnten Alarm-Meldungen stutzen. Und gleich der erste Satz stimmt hoffnungsvoll:

Die deutschen Videoprogrammanbieter konnten wie in den Jahren zuvor auch 2011 ein Rekordergebnis mit dem Verkauf von Home-Entertainment-Produkten erwirtschaften.

Zwar ist der Umsatz mit DVDs (Verkauf -5%, verleih -6%) rückläufig, das wird aber durch dieZuwächse bei den Blu-Ray-Verkäufen und dem Online-Filmverkauf mehr als kompensiert. Und die Leute kaufen nicht nur Filme, sie investieren auch in die dazugehörige Hardware – immerhin 2,748 Mrd. Euro im letzten Jahr – 0,6% mehr als im Vorjahr (vgl. S. 311). Ich kann mir vorstellen, dass das auch dazu führt, dass die Leute in Zukunft weiterhin auch in Content investieren – schließlich will die neue Heimkono-Anlage ja auch adäquat bespielt sein.

Auch das Kino scheint noch lange nicht tot zu sein:

Insgesamt sahen im letzten Jahr 129,6 Millionen Besucher einen Film im Kino, 2,3 Prozent mehr als 2010 (126,6 Mio).

Zwar sind die ganz Jungen etwas weniger ins Kino gegangen, dafür sehen sich ihre Eltern und Großeltern wieder deutlich häufiger Filme im Kino an.

Warum kommen die Autoren dann unter anderem zu folgendem Fazit?

Filme auf illegalen Portalen im Internet schädigen die Branche nachhaltig.

Oder könnte es nicht auch sein, dass die Filmbranche vom Internet profitiert – Anzeichen dafür gibt es bei der Musik-Industrie ja ebenfalls.

 

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