Google Street View kommt nach Deutschland. Schockschwerenot!

(…) Von den Medien getrieben sprangen Politiker aller Bundestagsfraktionen mutig vor Googles allgegenw??rtige Augen, die heimlich hilflose Hausfassaden abfotografiert hatten und au??erdem den Dreif????lern in „Krieg der Welten“ ??hnlich sehen. Niemals w??rde unsere Regierung zulassen, dass so private Informationen ??ber die Landesgrenzen hinausdringen. Au??er beim SWIFT-Abkommen, aber da geht es ja nicht um Fotos, sondern um Kontodaten – was ist das schon gegen das Risiko, dass ein Passant beim Br??tchenholen oder ein Autokennzeichen versehentlich der automatischen Verpixelung entgehen k??nnte? Das w??re ja fast, als st??nde man vor anderen splitternackt da, wie etwa bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.(…)

Gro??artiger Kommentar zu Streetview und der scheinheiligen (Politiker-)Hysterie in Deutschland.

Unbedingt lesen.

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Zum Irrsinn der Diskussion um „Street View“

„Street View“ gibt es in Deutschland seit 1948

Was Google gerade in Deutschland starten will, betreibt das Familienunternehmen Bollmann seit Jahrzehnten. So ??hnlich jedenfalls.

Foto: Bollmann-Bildkarten-Verlag Braunschweig Ein Foto aus dem Jahr 1958: Mit diesem VW K??fer und diesem Flugzeug fotografierte der Bollmann-Verlag deutsche H??userfassaden schon, bevor Internet und Online-Suchmaschinen ??berhaupt erfunden waren

Via @tknuewer

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Let’s make money!

Until deregulation, the price for food was set by the forces of supply and demand for food itself. (This was already deeply imperfect: it left a billion people hungry.) But after deregulation, it was no longer just a market in food. It became, at the same time, a market in food contracts based on theoretical future crops ??? and the speculators drove the price through the roof.

Here’s how it happened. In 2006, financial speculators like Goldmans pulled out of the collapsing US real estate market. They reckoned food prices would stay steady or rise while the rest of the economy tanked, so they switched their funds there. Suddenly, the world’s frightened investors stampeded on to this ground.

So while the supply and demand of food stayed pretty much the same, the supply and demand for derivatives based on food massively rose ??? which meant the all-rolled-into-one price shot up, and the starvation began. The bubble only burst in March 2008 when the situation got so bad in the US that the speculators had to slash their spending to cover their losses back home.

Johann Hari: How Goldman gambled on starvation – Johann Hari, Commentators – The Independent

Via fefe

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Zum Kirchentag: Losungsges??ttigte Gesichter

die wahrheit

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Losungsges??ttigte Gesichter

Der erste ??kumenische Kirchentag ist vorbei. Bleibt die Erkenntnis: „Religion ist heilbar!“

Christen erkennt man sofort. Sie m??ssen gar keine bunten B??nder tragen – ihre losungsges??ttigten Gesichter sprechen eine ??berdeutliche Sprache. Sandalenhaft-rucksackig und fast immer im Tross sickerten schon am Mittwoch die ersten Christen in die Stadt ein. Ich sah sie und fragte mich still: Warum sehen die alle aus wie nasse Brote? So teigartig, knetbar und glattwangig? Die demonstrative Reizlosigkeit des Christen ist eine besonders ehrgeizige Form der Eitelkeit. Sogar der Unattraktivit??t verleiht sie noch etwas Selbstgef??lliges.

Ich laufe keinem Christen nach, um mich anschlie??end an ihm zu erhitzen. Die machen ihrs, ich meins, fertig, und ich mache sogar gerne einen gro??en, Christen vermeidenden Bogen und nehme Umwege in Kauf. Das Wesen des Christen aber ist es, anderen auf die Pelle zu r??cken, und so liefen sie mir st??ndig vor die F????e. Wohin ich auch floh, der Christ kam hinterdrein. Ich bin im Laufe der Jahre fast ekelerregend tolerant geworden – das hat mit der Einsicht zu tun, dass die Glaubetrottel aller Fraktionen die Besch??ftigung mit ihnen nicht lohnen. F??r wen es ein Problem ist, dass Gl??ubische nicht mit anderen gemeinsam an einer Oblate lutschen d??rfen, f??r den ist das eben ein Problem. Die Zivilisation hat sich noch nicht zu allen durchgesprochen.

Die Emmauskirche, neben der ich wohne, war f??r die Dauer des Kirchentags zum so genannten Themenzentrum geworden. „Den Sterbenden ein Segen sein!“ wolle man, hie?? es auf einem gro??en Transparent. Nicht jeder reagierte auf den erkl??rten Wunsch, selbst v??llig Wehrlose noch anzufr??mmeln, so duldsam wie ich. G??nter Pfitzmann legte sich aus Protest zum Sterben. Ich verstand den Zorn des alten Mannes: Das nekrophile Christenverlangen kann einen schon auf die Palme bringen, und wenn es die letzte ist.

Eine K??nstlerin hatte dutzendweise lakengro??e wei??e Stofflappen auf die Erde gelegt, um den „Opfern sinnloser Gewalt“ ein Denkmal zu setzen, wie es auf einer Tafel hie??. W??hrend mich die Frage besch??ftigte, ob es eigentlich auch Opfer sinnvoller Gewalt gibt, entdeckte ich auf der Tafel einen kleinen Aufkleber: „Religion ist heilbar!“ Den musste ein Optimist hinterlassen haben.

Am Donnerstag wurde das Treiben an der Emmauskirche gewaltig. Eugen Drewermann kam zum Predigen direkt vor meinen Balkon. W??hrend der reisende Pulloverchrist nur eine Blumentopfwurfweite von mir entfernt ein paar tausend alte Tanten verz??ckte, erh??hte sich mein Trostbedarf min??tlich. Zuverl??ssig wurde ich f??ndig bei Oscar Wilde: „Mitgef??hl und Liebe zu Leidenden ist bequemer als Liebe zum Denken.“

Als Drewermann endlich zu Potte gekommen war, fingen seine Fans das Singen an – ein evangelisch klingendes, halsabw??rts totes Piepsgesinge ohne jeden Soul war zu vernehmen, und sichtlich verst??rte V??gel verlie??en fluchtartig die B??ume. „Das war an Christi Himmelfahrt / Herr Jesus wurde mitgegart / und blubberte im Sud“, k??chendichtete ich, w??hrend ich am Herd stand, dem n??rrischen Gefl??te und Gepfeife drau??en etwas Handfestes entgegensetzte und ??berlegte, ob man, nur um des Reimes Willen, Putengott und guten Pott in ein Abl??schungsverh??ltnis bringen d??rfe. Ich verwarf die alberne Idee und beendete mein K??chenliedchen so: „Ich war so gut zum Gottessohn / Und garte ihn f??r Gotteslohn / Und lie?? den Jesus ziehn.“

Und w??hrend der sich hinzog und ich meinen Besuch erwartete, rekapitulierte ich die Begegnung mit Ernst Benda, Mitglied im Pr??sidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags in seinem Haus in Karlsruhe-Durlach im August 2002. Das evangelische Monatsmagazin chrismon hatte ein Gespr??ch zum Thema „Witze ??ber Gott“ organisiert, es moderierte der Redakteur Axel Reimann, auf dessen Karte als Berufsbezeichnung „Editor’s Desk“, stand, Schreibtisch des Herausgebers, was ich, gerade f??r eine christliche Zeitschrift, hart verdinglicht fand. Reimann hatte eine Schreibkraft dabei, auch der anwesende Fotograf war mit einem Assistenten angereist. Es war ein warmer Tag, und die Angelegenheit dauerte drei Stunden – und Ernst Benda bot seinen f??nf G??sten nicht einmal ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee an.

Auf christliche N??chstenliebe ist gepfiffen – ihren Selbstdarstellungskokolores k??nnen die Jesuslatscher f??r sich behalten. Wer aber die gute alte Gastfreundschaft nicht kennt, die so viel ??lter ist als aller Christenkrempel, der muss sich fragen lassen, was er auf dieser Erde eigentlich so macht.

Auch Kirchentage gehen vorbei. Dann fahren die Christen wieder in ihre jeweiligen Heimaten und erh??hen dort die Nassbrotdichte. Wenn mich einmal hungert und d??rstet, dann wei?? ich, an welche T??ren ich nicht klopfe. WIGLAF DROSTE

Immer noch g??ltig und gerade wieder aktuell.

via taz.de

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