Calexico – The Thread That Keeps Us (2018)

Ganz ehrlich: Calexico-Platten kaufe ich ja nur noch aus Gewohnheit, Nostalgie und der Vollständigkeit halber.

So auch die neue CD „The Thread That Keeps Us“ – aber dann bitte schön in der Deluxe-Version mit Bonus-Tracks.

Die CD ist ok. mir geht etwas der klare rote Faden ab – die Stücke mäandern zwischen Rock, Minimalismus und Mariachi ohne wirklichen Wiedererkennungswert.

Vielleicht muss ich mich aber auch nur erst noch reinhören…

 

 

Iron & Wine (Muffathalle, 1.2.2018)

Abendkasse.

„2 mal bitte“

„Gibt aber nur noch Stehplatz.“

„Gab’s denn auch Sitzplätze?“

Gab es. Die Muffathalle war voll bestuhlt – habe ich so auch noch nicht erlebt.
Für uns Stehplatzproletariat war der etwa 10 Meter breite Bereich zwischen Mischpult und Bar reserviert. Während die noblen Sitzplätze dürstend mit ihren Juwelen klimperten, hatten wir jedoch die besten Plätze des Abends: Genügend Bewegungsfreiheit, ein ungehinderter Zugang zur Bar, freie Sicht über die Köpfe der Sitzenden hinweg und perfekt abgemischten Sound. Und Sitzen ist eh für’n Arsch, wie der geneigte Fußballfan weiß.

Die Vorband (Half Waif) war sympathisch, aber doch recht belanglos.

Sam Beam habe ich nun schon zum zweiten mal gesehen. Vor ein paar Jahren in den Kammerspielen war er Solo auf der Bühne, diesmal mit voller Band: Cello, Bass, Piano, Schlagzeug.
Musikalisch gab es viel altes Material, aber auch einiges von der letzten Platte. wunderbar entspannt, kraftvoll.

Ein Highlight des Abends war auch die Bühnengestaltung. kurz über den Köpfen der Band waren fluffige Schäfchenwolken aufgehängt, die zum einen die Höhe der Halle abmilderten und so einen intimeren rahmen suggerierten, und je nach Stimmung in den verschiedensten Farben leuchteten.

Gerne wieder.

 

Colter Wall – Colter Wall (2017)

Erst Januar und womöglich schon die Entdeckung des Jahres [1] Colter Wall ist ein blutjunger (22) Outlaw-Country-Sänger aus Kanada, der letztes Jahr mit dem selbstbetitelten Album sein Debut vorgelegt hat, nachdem er 2015 schon eine EP („Imaginary Appalachia“) veröffentlicht hatte. Sehr spärlich instrumentiert, oft nur mit der Akustikgitarre begleitet, singt er Mörderballaden und Liebeslieder. Clasic Country eben. Musikalisch erinnert das ganze oft an Townes van Zandt, bisweilen an Dave van Ronck oder auch mal Merle Haggard.

1: Mein last.fm-Account verrät mir, dass ich Colter Wall das erste mal im Sommer 2016 gehört ahbe, und auch 2017 durchaus einige male Songs von ihm durch meine Playlists gespült wurden. Richtig bewusst wurde mir der Herr aber erst im Dezember 2017. insofern ist das mit der „Entdeckung des Jahres“ schon ok 🙂

Eläkeläiset (Backstage Halle, 13.01.2018)

Nachdem ich dieses Jahr den traditionellen Neujahrsempfang der Löwenfans Gegen Rechts leider auslassen musste, startet das Konzert mit einem anderen Klassiker.

Humppa.

Vorband machen Schmeisig aus Köln, mit launigem Karnevals-Polka-Cover-Gedöns. Kann man Bier zu trinken.

Zu Eläkeläiset muss man Bier trinken. Geht nicht anders. Alternativ finnischen Vodka. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Band mit angezogener Handbremse unterwegs ist, seitdem der Alkoholpegel auf der Bühne gegen Null geht. Routiniert runtergespielt, amüsant, aber nicht mehr so lustig wie früher(TM). Bierdusche gab’s trotzdem, und nette Menschen getroffen habe ich auch.

Humppa.

Donkeyhonk Company – Long Way Home (2102) und Honkrock (2016)

Mitbringsel vom schönen Leftlane Cruiser-Konzert in der Garage Deluxe.
Die Donkeyhonk-Company macht hübschen Honkeytonk-Bluegrass, und weil mir die Jungs live gut gefallen haben, gab’s für 15€ noch zwei CDs obendrauf.

Auf „Long Way Home“ ist die Company noch ohne Schlagzeug unterwegs, dafür hilft eine Mandoline aus und komplettiert 5-String Banjo/Gitarre und Kontrabass zur klassischen String-Band.

Auf der letztjährigen EP „Honkrock“ ist dann ein Schlagzeuger dabei, was den Sound etwas rockiger macht. Dafür ist ein Teil der Lieder auf Bayrisch.

Gogol Bordello (TonHalle München, 29.11.2017)

Das dürfte jetzt das fünfte mal gewesen sein, dass ich Gogol Bordello live gesehen habe. Und auch wenn ihre Alben von mal zu mal nichtssagender werden – die letzten beiden besitze ich nicht einmal – ist das doch eine der besten Live-Bands, die ich kenne.
Das Set war eine schöne Mischung aus alten Hits und den besseren Stücken des neueren Materials.

Über die Vorband breiten wir mal gnädig den Mantel des Schweigens. Immerhin konnten sie zwei Songs – die haben sie dafür auch jeweils ziemlich häufig gespielt.

Left Lane Cruiser – Claw Machine Wizzard (2017)

Ein Mitbringsel vom Konzert in der Garage Deluxe neulich.

Was live ein mitreißender, schweißtreibender Blues-Noise-Rock ist, kommt auf CD deutlich strukturierter, aber nicht weniger explosiv rüber.

Perfekt zu Bier und Kentucky Burbon.

The Dead South (Technikum München, 14.11.2017)

Mitten im alten Pfanni-Gelände, das mittlerweile zum großen Teil überbaut ist und in den letzten kulturell genutzten Resten jetzt Werkraum heißt, steht eine relativ neue Mehrzweckhalle: das Technikum. Von Außen recht unscheinbar, offenbart der Bau von innen den Charme eines Bürger- oder Gemeindesaals einer Oberbayerischen Kleinstadt. Da hilft auch der rote Samtvorhang im Bühnenhintergrund nicht, Stimmung entstehen zu lassen.

Zu allem Überfluss ist die Akustik schlimm. Vielleicht lag es ja auch am Mischer, aber gegen den unausgewogenen Sound ist die Akustik im Zenith fast schon als gut zu bezeichnen.

Devarrow, ein sympathischer kanadischer Busker, durfte den Anfang machen und hatte den Vorteil, dass Gitarre und Gesang noch klar rüberkamen.

Der angefolkete Indie-Rock von Shred Kelly, der in den besten Momenten an die Talking Heads, in den schlimmeren an Bryan Adams erinnerte, war aber schon so breiig, dass kaum Vergnügen aufkam.

The Dead South sind ohne Zweifel eine großartige Band. Und an ihnen lag es nicht, dass der Funke für mich nicht zündete. Gute Songs, alle Musiker beherrschen ihre Instrumente (Gitarre, Mandoline, Banjo, Cello) und Charisma haben sie obendrein. Dieses Konzert im Strom oder der Milla, mit einer ordentlichen Sound-Anlage wäre eines der Highlights des Jahres gewesen. So ging dann doch alles im Brei des Gemeindesaals flöten. Schade.

Hochzeitskapelle (Pasinger Fabrik, 3.11.2017)

Freitag Abend, 21.00. Der ruhmreiche TSV hat gerade etwas holprig gegen Memmingen mit 2:0 gewonnen. Ich steh in Giesing vor dem Schau Ma Moi und trinke noch eine Sieges-Halbe im Stehen. Der Gesprächspartner ist gerade beim Bierholen oder -wegbringen. Facebook checken.
Und da das hier lesen:

Ich bin zwar nicht in der Nähe, muss da aber sowieso hin. Der Gesprächspartner wird vertröstet, die nächste S-Bahn Richtung Heimat geentert und in der Vorstadt rechtzeitig zum ersten Stück der Hochzeitskapelle ein freier Platz an der Bar bezogen.

Die Kapelle spielt fein auf, einige Stücke von der vorzüglichen Platte, einige kannte ich noch nicht, die aren aber auch schön. Das Publikum, gut durchmischtes Vorstadt-Kulturvolk, weiß die Hochzeitskapelle zu schätzen.

#perfectevening

Merken