Eläkeläiset (Backstage Halle, 13.01.2018)

Nachdem ich dieses Jahr den traditionellen Neujahrsempfang der Löwenfans Gegen Rechts leider auslassen musste, startet das Konzert mit einem anderen Klassiker.

Humppa.

Vorband machen Schmeisig aus Köln, mit launigem Karnevals-Polka-Cover-Gedöns. Kann man Bier zu trinken.

Zu Eläkeläiset muss man Bier trinken. Geht nicht anders. Alternativ finnischen Vodka. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Band mit angezogener Handbremse unterwegs ist, seitdem der Alkoholpegel auf der Bühne gegen Null geht. Routiniert runtergespielt, amüsant, aber nicht mehr so lustig wie früher(TM). Bierdusche gab’s trotzdem, und nette Menschen getroffen habe ich auch.

Humppa.

Donkeyhonk Company – Long Way Home (2102) und Honkrock (2016)

Mitbringsel vom schönen Leftlane Cruiser-Konzert in der Garage Deluxe.
Die Donkeyhonk-Company macht hübschen Honkeytonk-Bluegrass, und weil mir die Jungs live gut gefallen haben, gab’s für 15€ noch zwei CDs obendrauf.

Auf „Long Way Home“ ist die Company noch ohne Schlagzeug unterwegs, dafür hilft eine Mandoline aus und komplettiert 5-String Banjo/Gitarre und Kontrabass zur klassischen String-Band.

Auf der letztjährigen EP „Honkrock“ ist dann ein Schlagzeuger dabei, was den Sound etwas rockiger macht. Dafür ist ein Teil der Lieder auf Bayrisch.

Gogol Bordello (TonHalle München, 29.11.2017)

Das dürfte jetzt das fünfte mal gewesen sein, dass ich Gogol Bordello live gesehen habe. Und auch wenn ihre Alben von mal zu mal nichtssagender werden – die letzten beiden besitze ich nicht einmal – ist das doch eine der besten Live-Bands, die ich kenne.
Das Set war eine schöne Mischung aus alten Hits und den besseren Stücken des neueren Materials.

Über die Vorband breiten wir mal gnädig den Mantel des Schweigens. Immerhin konnten sie zwei Songs – die haben sie dafür auch jeweils ziemlich häufig gespielt.

The Dead South (Technikum München, 14.11.2017)

Mitten im alten Pfanni-Gelände, das mittlerweile zum großen Teil überbaut ist und in den letzten kulturell genutzten Resten jetzt Werkraum heißt, steht eine relativ neue Mehrzweckhalle: das Technikum. Von Außen recht unscheinbar, offenbart der Bau von innen den Charme eines Bürger- oder Gemeindesaals einer Oberbayerischen Kleinstadt. Da hilft auch der rote Samtvorhang im Bühnenhintergrund nicht, Stimmung entstehen zu lassen.

Zu allem Überfluss ist die Akustik schlimm. Vielleicht lag es ja auch am Mischer, aber gegen den unausgewogenen Sound ist die Akustik im Zenith fast schon als gut zu bezeichnen.

Devarrow, ein sympathischer kanadischer Busker, durfte den Anfang machen und hatte den Vorteil, dass Gitarre und Gesang noch klar rüberkamen.

Der angefolkete Indie-Rock von Shred Kelly, der in den besten Momenten an die Talking Heads, in den schlimmeren an Bryan Adams erinnerte, war aber schon so breiig, dass kaum Vergnügen aufkam.

The Dead South sind ohne Zweifel eine großartige Band. Und an ihnen lag es nicht, dass der Funke für mich nicht zündete. Gute Songs, alle Musiker beherrschen ihre Instrumente (Gitarre, Mandoline, Banjo, Cello) und Charisma haben sie obendrein. Dieses Konzert im Strom oder der Milla, mit einer ordentlichen Sound-Anlage wäre eines der Highlights des Jahres gewesen. So ging dann doch alles im Brei des Gemeindesaals flöten. Schade.

Hochzeitskapelle (Pasinger Fabrik, 3.11.2017)

Freitag Abend, 21.00. Der ruhmreiche TSV hat gerade etwas holprig gegen Memmingen mit 2:0 gewonnen. Ich steh in Giesing vor dem Schau Ma Moi und trinke noch eine Sieges-Halbe im Stehen. Der Gesprächspartner ist gerade beim Bierholen oder -wegbringen. Facebook checken.
Und da das hier lesen:

Ich bin zwar nicht in der Nähe, muss da aber sowieso hin. Der Gesprächspartner wird vertröstet, die nächste S-Bahn Richtung Heimat geentert und in der Vorstadt rechtzeitig zum ersten Stück der Hochzeitskapelle ein freier Platz an der Bar bezogen.

Die Kapelle spielt fein auf, einige Stücke von der vorzüglichen Platte, einige kannte ich noch nicht, die aren aber auch schön. Das Publikum, gut durchmischtes Vorstadt-Kulturvolk, weiß die Hochzeitskapelle zu schätzen.

#perfectevening

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Micah P. Hinson (El Lokal, Zürich, 30.10.2017)

Diesmal Auswärtsfahrt. Micah P. Hinson und diverse Feiertage bieten den geeigneten Anlass, mal die wohl reichste und teuerste Stadt der Welt zu besuchen. Nachdem Mr. Hinson sonst offenbar Mitteleuropa meidet, und das El Lokal auf meiner Liste der zu besuchenden Venues auch ganz oben stand, gab’s keine Ausreden mehr. Und: es hat sich durchaus gelohnt.
Micah P. Hinson ist ein sehr zurückhaltender, fast schüchterner Mensch. Das gesamte Konzert bestreitet er mit geschlossenen Augen. Nur bei den weniger, dann aber durchaus unterhaltsamn Ansagen zwischen den Songs, strahlt er über’s ganze Gesicht.

Micah ist ganz alleine mit seiner Akustik-Gitarre unterwegs. Deshalb spielt er auch nicht – wie der Name des Konzertes nahelegt – das gesamte neue Album, sondern beschränkt sich auf ein Best-Of, angereichert mit einigen thematisch und musikalisch passenden Stücken von älteren Alben.

Die Schüchternheit, die melancholische Musik, die teils traurigen Texte und das fast zerbrechlich wirkende Äußere – das in kompletten Kontrast zu seiner starken, rauhen und vielseitigen Stimme steht – wecken das tiefe Bedürfnis, ihn in den Arm zu nehmen, und ihm tröstend „Alles wird gut“ ins Ohr zu flüstern – auch wenn man weiß, dass die Welt da draußen ein großer Haufen Mist ist.
Leider gab’s keine Zugabe, dafür aber eine Heimfahrt mit der Straßenbahn durchs nächtliche Zürich.

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Left Lane Cruiser & Donkeyhonk Company (Garage Deluxe, 27.10.2017)

Manche Konzerte bieten ganz wunderbare Entdeckungen. Hier war es die Donkeyhonk Company – irgendwo aus dem Oberbayrischen Outback in der Hallertau. Die drei Musikanten (Gitarre/Banjo, Bass, Schlagzeug) spielen auf, dass es auch einem HonkeyTonk irgendwo in den Wäldern zwischen Northeim Carolina und Kentucky zur Ehre gereichen würde. Ein paar Stücke in bayrischer Sprache wissen zu gefallen. Und da ist es sogar mehr als OK, dass sie es insgesamt dreimal schaffen, den großen Tom Waits zu covern, ohne dass es peinlich wird. Der Auftritt wird mit dem Kauf von zwei CDs belohnt.

Die Left Lane Cruiser habe ich schon mal 2014 erlebt und Haus sie durchaus positiv in Erinnerung. Dich was die zwei Jungs aus Indiana an dem Abend abzogen, war wirklich saugut. Treibender, krachend, schneidend, roh. Blues-Noise-Rock. Details fallen aus – künstlerische Finessen spült der Schweiß weg.

The Dad Horse Experience – I am a stranger here below (2017)

Und nochmal Dad Horse Ottn. Aus dem KAP37 habe ich als physisches Andenken die neue CD mitgebracht.

Und das Ergebnis gefällt. nicht mehr ganz so experimentell wie der Vorgänger „Eating Meatballs…“ überrascht das Album doch mit umfangreicher Instrumentierung. Neben Tenorbanjo und Mandoline ist da bisweilen eine komplette Rockband zu hören. Das ist ungewohnt, weiß aber durchaus zu gefallen.

Ich persönlich mag Dad Horse Otten lieber pur. Wie etwa beim Jimmie Rodgers Jodelkracher „My rough and Rowdy ways“, oder meinem Favourite „Ich steig in die Bahn“.

Spread the sacred flu!